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Kirche Sankt Walburga

Zunächst: Berch – Jodokus = 2. Pfarrpatron,  bis 1069 1. Pfarrpatron

1069 Überführung der Reliquien der hlg. Walburga (710-779) durch Bischof Anno, der Verwandte in Eichstätt hatte und ein großer Walburgaverehrer war. Gräfin Alveradis hat wohl mit Geld nachgeholfen. Jedenfalls wurde dafür von ihr die Kirche neu und größer gebaut.

Danach Umbenennung des Ortes in „Mons sanctae Walburgis“. 1118 erstmals urkundlich erwähnt. Aus „Mons sanctae Walburgis“ wurde im Lauf der Zeit „Walberberg“.

1167 -1191 Zisterzienserkloster

1197 Zisterziensernonnenkloster (Zisterzienserinnen aus Hoven/Eifel)

Ca. 1220 Verlängerung und Erhöhung der Kirche

Ca. 1230 Chorneubau

Die einschiffige Kirche wird zu einer dreischiffigen Kirche umgebaut

1447 Umwandlung in ein Zisterzienserpriorat

1591 Jesuiten übernehmen das Kloster und die Pfarrei, statt des kleinen Dachreiters der Zisterzienserinnen wird ein mächtiger Turm über dem Chor gebaut; wegen bautechnischer Probleme aus Holz

Romanischer Taufstein 13. Jhdt.

Grabstein der sel. Äbtissin Margareta 1224

Gotischer Kreuzkorpus ~ 1500

Gotische Madonna ~ 1500

Bild Jodokus ~1720

18 Außenkonsolen von Oswald Schneider (Siegburg) 1988, unter dem Dachsimms

18 Konsolen innen von Hein Gernot, Olaf Höhnen und Sepp Hürten mit Darstellungen aus dem Alten Testament.

12 Fenster innen von Braun mir Darstellungen aus dem Leben Jesu. Nur das Fenster neben der hinteren Eingangstür (Geburt Jesu) für diese Kirche gefertigt worden; die anderen Glasbilder waren für das (abgerissene) Kloster zum guten Hirten“ in Köln bestimmt; für unsere Kirche wurden sie außen umgearbeitet.

 

Walburga

710 Walburga wird in Südengland als Tochter eines englischen Landadligen geboren

um 750 als Missionarin nach Deutschland

762 stirbt ihr Bruder Wunnibald, sie übernimmt das von ihm geführte Männerkloster in Heidenheim und gründet dort zusätzlich ein Frauenkloster.

779 stirbt dort Walburga. Hundert Jahre später werden ihre Gebeine nach Eichstätt überführt.

893 wird sie heilig gesprochen.

Erzbischof Anno (1056-1075) war ein großer Verehrer der hl. Walburga. Er ließ Reliquien der Heiligen 1069 vom Benediktinerinnenkloster Eichstätt nach Berch (wie Walberberg ursprünglich hieß) bringen, dessen Name bald darauf in Walberberg (mons sanctae Walburgis) geändert wird.

1591 übertrug der Kölner Erzbischof Ernst von Bayern das verlassene Zisterzienserinnenkloster, zu dem ja auch die Kirche gehörte, den Jesuiten, die bereits vier Jahre nach der Ordensgründung nach der Reformation zur Erneuerung der Kirche nach Köln gekommen waren. Die walberberger die Reliquien übertrugen sie später nach Köln in ihre Kirche Mariä Himmelfahrt, um sie hinter den Stadtmauern vor marodierenden Plünderern in Sicherheit zu bringen. Nach Walberberg wurden die Reliquien dann nur noch jeweils am 1. Mai und später an Pfingsten (daher heute noch die Kirmes) „ausgeliehen“.

Als im Jahr 1774 die Reliquien (nach der Auflösung des Jesuitenordens 1773) an Pfingstmontag wieder einmal nach Walberberg „ausgeliehen“ wurden, gaben sie die Walberberger einfach nicht wieder zurück. Der damalige Erzbischof und Kurfürst Maximilian Friedrich entschied nach langem Hin und Her, dass die Reliquien in Walberberg solange bleiben sollten bis endgültig entschieden werden könne.

Die Reliquien der heiligen Walburga sind heute in der Heiltumskammer (rechts im Chor) ausgestellt.

 

Die Hl. Walburga

Ihr Leben und ihre Verehrung

Wer war Walburga ?

 

Walburga, wurde um 710 in der Grafschaft Devon/Südengland (in der Grafschaft Wessex = „Westsachsen“) als Tochter einer wohlhabenden und gebildeten Fürstenfamilie geboren. Walburga hatte mehrere, wahrscheinlich insgesamt fünf Geschwister (eine Schwester und vier Brüder). Neben ihr sind uns ihre älteren Brüder Wunibald und Willibald bekannt. Ihr Vater hieß Richard und als Mutter wird Wuna genannt. Die Familie war wahrscheinlich mit dem heiligen Bonifatius, der in Germanien missionierte verwandt. Beim Vater wird immer wieder in den Legenden von „König Richard“ gesprochen. Dies ist aber nicht belegt, vielmehr wird es sich um eine begüterte oder vielleicht sogar privilegierte gesellschaftliche Stellung ihrer Familie gehandelt haben. Heute würde man sagen, dass die Familie dem Adel zugehörig war.

 

Walburga soll dann früh verwaist sein, das heißt ihre Mutter war verstorben, sodass sie bereits im Alter von 10 oder 11 Jahren in das Kloster von Wimborne in der Grafschaft Dorset aufgenommen wurde. England hatte im achten Jahrhundert schon eine ganz andere und gegenüber Germanien wesentlich weiter entwickelte Kultur. Das Kloster Wimborne in der Grafschaft Dorset war um 700 gegründet  und dort wurde Ausbildung im Lesen und Schreiben, im gregorianischen Choral groß geschrieben. Es galt seinerzeit bereits als Bildungszentrum und zentraler Punkt für christliche Mission und Verbreitung des Glaubens. Diese damals in Blüte stehende Abtei (Doppelkloster) mit ca. 500 Mönchen und Nonnen war ein Zentrum christlicher Bildung und Kultur im 8. Jahrhundert.

Es war zu dieser Zeit bekannt für seine gute Ausbildung für junge Frauen aus der westsächsischen Oberschicht, für die eine Heirat nicht vorgesehen war. Dort verbrachte Walburga wohl rund 26 Jahre ihres Lebens und wurde von Äbtissin Tetta sorgfältig auf eine Aufgabe als Missionsleiterin in den zu dieser Zeit weitgehend noch nicht christlich geprägten deutschen Landen vorbereitet.

Das von irischen Mönchen nach England gebrachte Christentum war der Familie Walburgas sehr wichtig. Dies zeigt sich auch in der Tatsache, dass ihr Vater Richard und ihre Brüder Wunibald und Willibald eine Pilgerfahrt zuerst nach Rom und dann ins Heilige Land nach Jerusalem unternehmen. Während der Vater auf dem Weg dorthin um 720 in Lucca/Italien stirbt, Wunibald wegen seiner angegriffenen Gesundheit in einem italienischen Kloster (Montecassino) bleibt, setzt Willibald 722 seine Reise nach Palästina fort. Von dort zurückgekehrt, folgen Willibald und Wunibald dem Ruf ihres Verwandten Bonifatius in die Mission nach Germanien. Um 740 ernennt der Papst Willibald zum ersten Bischof von Eichstätt und gründet damit dieses Bistum. Wunibald unterstützt seinen Bruder in der Missionsarbeit und gründet in Heidenheim am Hahnenkamm (Mittelfranken) ein Kloster nach der Regel des Hl. Benedikt.

 

Nachdem ihr Bruder Wunibald sie während eines Besuchs in der Heimat für die Mission hatte gewinnen können, überquerte auch Walburga mit einer Gruppe weiterer englischer Nonnen  wohl zwischen 740 und 750 den Ärmelkanal und ging vermutlich bei Antwerpen (heute Flandern) an Land.

Bei dieser Überfahrt waren wohl auch die junge Nonne Hugeburc, die später eine Lebensbeschreibung von Walburgas Brüdern Willibald und Wunibald verfasste, Walburgas Verwandte Lioba andere Nonnen zugegen.

Übrigens verfasste Hugeburc im Sommer/Herbst 778 diese Lebensbeschreibung aus der wir auch bis heute die meisten Informationen über Walburga haben. Die älteste erhaltene Handschrift entstand um 800.

Die Fahrt verlief stürmisch und das Schiff geriet in Seenot . Der Legende nach soll Walburga die ganze Zeit im Gebet kniend an Deck verbracht haben, bis das Schiff heil in den Hafen von Antwerpen einlief. Daher gilt sie bis heute als Schutzpatronin der Seeleute und Schutzheilige gegen Sturm.

Der Legende nach begegnet sie nach ihrer Ankuft noch ihrem Onkel Bonifatius in Mainz und sie findet dann eine neue Heimat in Tauberbischofsheim, wo sie in dem von ihrer Cousine Lioba geleiteten Kloster als Ordensfrau lebt.

Nach dem Tod ihres Bruders Wunibald von Heidenheim 761 übernahm Walburga das von ihm etwa zehn Jahre zuvor gegründete Männerkloster Heidenheim, einen wichtigen Missionsstützpunkt; wenig später kam ein Frauenkloster hinzu.

Durch die Leitung dieses mächtigen Doppelklosters wurde Walburga zu einer der bedeutendsten Frauen des christlichen Europas und ist ein prominentes Beispiel für die Entfaltungsmöglichkeiten, die vor allem das alles andere als „finstere“ frühere Mittelalter für begabte und engagierte Frauen aus der Oberschicht bereit hielt. Unter Walburgas Führung wird das Kloster ein ausstrahlendes Zentrum des christlich-religiösen, caritativen und kulturellen Lebens im Bistum Eichstätt. Der 754 im friesischen Dokkum  erschlagene Bonifatius soll übrigens einer der ersten gewesen sein, der gezielt Frauen für seine Missionsarbeit heran zog.

Und das es für die Frau nicht immer einfach war, auch ein Männerkloster zu führen kann man am so genannten Lichtwunder der Hl. Walburga ablesen. Ein Türhüter war nach dem Abendgebet der Frauen nicht bereit, den Frauen Weg in das Kloster zu leuchten. Da erstrahlte vom Himmel ein Licht, dass den Schwestern leuchtete.

“Translatio“ bedeutet wörtlich übersetzt „Übertragung“ oder „Überführung“. Walburga starb um 779 in Heidenheim und wurde zunächst im dortigen Kloster bestattet. Ihre Gebeine wurden um 875 auf Geheiß von Bischof Otgar nach Eichstätt gebracht und in der damaligen Kreuzkirche bestattet. 893 überließ Bischof Erchanbald der Nonne Liubila, die in Monheim ein Kloster für Benediktinerinnen gegründet hatte, einige Reliquien. Auf dem Weg nach Monheim und dort selbst sollen sich zahlreiche Heilungswunder ereignet haben. Nach dieser „Translatio“ nach Monheim verfasste Wolfhard von Herrieden 894 bis 899 die Lebensgeschichte „Miracula S. Walburgis“, die wiederum als Grundlage für alle jüngeren Viten gilt. 1035 wurde in Eichstätt die Abtei St. Walburg gegründet, 1042 erhob man die Reliquien und setzte sie in einem steinernen Sarg unter dem Hochaltar der neuen Kirche St. Walburg in Eichstätt bei. Der Walpurgisbiograf Wolfhard von Herrieden berichtet schon rund 200 Jahre später von weiteren Wundern, die Walburga in dieser Zeit gewirkt haben soll.

Demnach soll sie einmal ein Kind mit Hilfe vor dem Verhungern gerettet haben und ein anderes Mal erfolgreich einen tollwütigen Hund beruhigt haben. Sie soll auch am Bett eines todkranken Mädchens gewacht haben, bis es wieder gesund geworden ist. Auch von Krankenheilungen und der Rettung einer im Kindbettfieber danieder liegenden Wöchnerin wird berichtet.

Daher gilt sie bis heute neben vielerlei anderen Zuständigkeiten auch als Schutzheilige gegen Krankheiten, Tollwut, Hungersnot, Missernte sowie als Patronin der Kranken und der Wöchnerinnen, aber auch der Bauern. Wie in vielen Legenden könnte auch in diesen Geschichten ein Körnchen Wahrheit stecken, da die kluge und umfassend gebildete Walburga durchaus heilkundliche Kenntnisse gehabt haben könnte.

Der genaue Todestag Walburgas ist nicht eindeutig belegbar. Das von den Heidenheimer auf den 25. Februar 779 festgelegte Sterbedatum ist umstritten, in Frage käme auch ein Datum im Jahr 780.

Ihr Bruder Willibald, Bischof von Eichstätt, soll ihr in der letzten Stunde beigestanden haben; die beiden Klöster in Heidenheim fielen an ihn zurück und wurden später geschlossen.

Walburga wurde nach ihrem Tod im Kloster Heidenheim beigesetzt.

 

Wie kam es zu ihrer Verehrung?

 

Nach etwa 100 Jahren, um 870 lässt Bischof Otkar von Eichstätt ihre Gebeine in seine Bischofsstadt übertragen und in der dortigen Kreuzkirche beisetzen. Diese Erhebung der Gebeine stellt gleichzeitig die Heiligsprechung dar, die durch Papst Hadrian II bestätigt wurde. Sie erfolgte vermutlich am 1 Mai 870 in eine kleine Heilig-Kreuz-Kirche in Eichstätt. Die Pläne des Bischofs die sterblichen Überreste in die Bischofskirche zu überführen scheitern, weil die Pferde mit dem Sarkophag sich an der Heilig-Kreuz-Kirche „weigern“ weiterzugehen.

Im Jahre 1035 wird an ihrem Grab eine Benediktinerinnenabtei gegründet, die bis zum heutigen Tage besteht und die Erinnerung an die Heilige wach hält und pflegt.

 

In der Folgezeit wurde der aufblühende Reliquien-Kult um Walburga vor allem durch den Benediktinerorden, Bischöfe und Adel forciert und gefördert, um ein Gegengewicht gegen die äußert populären „Volksheiligen“ zu setzen und den Führungsanspruch des Adels innerhalb der christlichen Welt dauerhaft zu befestigen.

Bereits im Jahre 893 hatte die Nonne Liubila zusammen mit ihrer Schwester Gerlind ein Kloster in Monheim gegründet, stellte es unter den Schutz der Hl. Walburga und erbat sich hierfür Reliquien. Vor allem im ausgehenden Mittelalter, das geprägt war durch schwere Seuchen und Hungerepidemien, erreichte der Walburga-Kult als Nothelferin und Schutzpatronin vor allem in Deutschland sowie im nördlichen Frankreich große Ausmaße.

Einen Höhepunkt erreichte der Walburga-Kult im 11. Jahrhundert unter dem Kölner Erzbischof Anno II, der Walburgas Hirnschale und den so genannten Reisestab um 1069 nach Berg später Walberberg bringt, wo sie ja bis aufbewahrt und verehrt werden. Es ist davon auszugehen, dass mit der Überführung der Reliquien der heiligen Walburga auch die Ansiedlung als „Berg der heiligen Walburga“ bezeichnet wurde und somit bereits seit dem Jahre 1069 eine Namensänderung erfahren hat. Walberberg ist durch diese Reliquien bis heute ein Wallfahrtsort zu Ehren der angelsächsischen Benediktinernonne.

Bis heute finden sich Reliquien, Wallfahrts- und Erinnerungsstätten der Heiligen nicht nur in Eichstätt, Monheim und Walberberg, sondern auch in Köln (Domschatzkammer), in Overath, im Usch in der Eifel, an Orten in Österreich und der Schweiz,  vor allen auch in den  den Niederlanden, sowie besonders häufig in der Normandie und in Belgien zum Beispiel ind den Städten Antwerpen, Oudenaarde und Veurne. Walburga wurde insbesondere von weiblichen Klostergemeinschaften verehrt, so auch im Stift Essen, auf dem Deckel des Theophanu-Evangeliars steht sie der Äbtissin Theophanu bei. Auch im Damenstift Meschede wurden bereits seit dem 10. Jahrhundert Reliquien der Heiligen verehrt. Selbst in kleinen Dörfern und auf Bergen finden sich vor allem so genannte Waburgiskapellen als bis heute beliebte Wallfahrtsziele. An den Küsten Flanderns und der Normandie erbat sich die bedrängte Bevölkerung von Walburga vor allem Beistand gegen marodierende Piraten. Einige Walburga-Orte, wie St Walburga im westfälischen Werl, liegen an der Pilgerstrecke des Jakobsweges.

Seit 1042 soll unter Walburgas Reliquienschrein alljährlich von Oktober bis Ende Februar eine Flüssigkeit, das sogenannte Walpurgisöl, austreten. Es kann bis heute in Fläschchen abgefüllt von gläubigen Pilgern erworben werden. Vor allem am 25. Februar, Walburgas katholischem Gedenktag, strömen zahlreiche Pilger zu dem wundertätigen Schrein in Eichstätt. Was wirklich unter diesem als Kondensat hervorquillt, bleibt vage und das Geheimnis der Benediktinerinnen. Glaube wird vermutlich auch hier, wie so oft in Fragen der Relgion, Berge versetzen.

Seit dem 15. Jahrhundert wurde Walburga auch auf Gemälden stets mit dem Fläschchen abgebildet. 2000 schuf der oberfränkische Bildhauer Ernst Steinacker eine moderne Bronzestatue der Schutzheiligen mit Reisestab und umgehängtem Ölfläschchen. Und auch in unserer Pfarrkirche sieht man Walburga auf dem Bild so.

 

Walburga feiern wir hier in Walberberg an folgenden Tagen:

 

Am 25 Februar, ihrem Todestag, dem Sonntag nach dem 01. Mai als Gedenktag der Überführung ihrer Reliquien von Heidenheim nach Eichstätt, am 4. August dem Tag ihrer Überfahrt von England nach Deutschland sowie am 12. Oktober dem Gedenktag der Erhebung der Gebeine in Eichstätt.

 

Einen ganz besonderen Akzent setzen wir der Verehrung am 1. Maisonntag mit einer Reliquienprozession, bei der die Reliquien durch unser Dorf getragen werden.

 

Walberberg feiert zudem noch an Pfingstmontag die hl. Walburga. Das hat einen besonderen historischen Grund. Zwischen 1591 und 1773 verwalteten die Jesuiten aus Köln die Walberberger Pfarrei und sie nahmen für diese knapp zweihundert Jahre die Reliquien mit nach Köln in ihre dortige Hauptkirche Maria Himmelfahrt (bei Kölner Hauptbahnhof). In dieser Zeit bekamen die Walberberger die Reliquien nur für einen Tag im Jahr zurück, das war der Pfingstmontag und in Erinnerung daran ist die Feier und die Kirmes an diesem Tage geblieben.

 

Seit 1773 sind die Schätze ja wieder in unserer Kirche.

 

Am 1. Mai und an Pfingsten kommen seit Jahrhunderten Fußilger aus Berzdorf, Hürth-Gleuel und Sechtem. Zudem besteht eine lockere Verbindung mit Amby bei Masstricht in den Niederlanden.

 

Einmal im Jahr fahren wir nach Eichstätt ans Grab unserer Patronin.

 

Heiligenverehrung - was ist das ?

 

In unserer heutigen Zeit  mutet das schon komisch an. Heiligenverehrung.

 

Die Reliquienverehrung hat in der katholischen und orthodoxen Kirche eine uralte Tradition. Bereits in der Frühzeit des Christentums wurde den sterblichen Überresten von Heiligen Ehrfurcht und Verehrung erwiesen. Ursprünglich errichtete man über den Heiligengräbern Altäre von Kirchen. Später wurden die Reliquien in eigenen, meist kostbar gestalteten Schreinen, den Reliquiaren, aufbewahrt; in ihnen fanden die Heiligen gewissermaßen eine neue Ruhestätte. Die kostbaren Reliquiare weisen darauf hin, dass diese Heiligen bei Jesus Christus, dem sie konsequent und vorbildhaft nachfolgten, im ewigen Leben angekommen und dort Fürsprecher für die Gläubigen sind. Aus diesem Grund und in Erinnerung daran ist es bis heute üblich, in den Altären der katholischen Kirchen eine Heiligenreliquie einzulassen. Damit wird die unmittelbare Verbindung in der überzeitlichen Eucharistie Jesu mit allen aktuell feiernden Gläubigen, die sich um diesen Tisch versammeln, dokumentiert.

 

Unter Reliquien versteht man die sterblichen Überreste von Heiligen sowie Gegenstände, die aus deren Besitz und Gebrauch stammen. Diese "handfesten" Erinnerungen an ein großes Vorbild werden verehrt, in hoher Erinnerung aufbewahrt und wollen damit sichtbares Zeichen des Vorsatzes sein, diesem Heiligen auch über dessen Tod hinaus verbunden zu bleiben und seinen Idealen zu folgen.

 

Vor diesem Hintergrund sollte man das Thema ganz entspannt sehen. Die Heiligen mit ihren besonderen Eigenschaften als Vorbild zu sehen.

 

Gerade in unsrer heutigen schnelllebigen Zeit kann Walburga stehen für ein mensch, der mitten im Leben wieder neu aufgebrochen ist. Mit neuen Perspektiven und Gottvertrauen in einer fremden Umgebung neu angefangen hat und neue Wege gegangen ist.

 

Dabei war Walburgas Begeisterung für den Glauben und der Neuanfang kein Strohfeuer, nein sie hat ihre Idee mit aller Kraft und Konsequenz verfolgt. Aufrichtig und sich und ihrem Glauben treu und dem Nächsten eine Hilfe bis zu ihrem Tod.

 

Ist das nicht ein ermutigendes Beispiel auch nach 1300 Jahren!?

 

Einige Daten:

Bereits im 8. Jhdt. bekommt Walberberg eine schlichte, steinerne Kirche, an die im 9. Jhdt. ein rechteckiger Chorraum angebaut wird. Wahrscheinlich war das Gotteshaus eine Eigenkirche des in der benachbarten Burg (Rest der Anlage: sog. Hexenturm) ansässigen Adelsgeschlechtes. Patron dieser ersten Kirche ist wohl der Hl. Jodokus gewesen. Als um 1056 Erzbischof Anno von Köln Reliquien (Teil der Hirnschale, Wanderstab) der Hl. Walburga in das Dorf mit dem Namen „Berg“ bringt, ändert der Ort seinen Namen in „Berg der Hl. Walburga“ und wird zu einer Verehrungsstätte dieser angelsächsischen Benediktinernonne (*710 - +779), die vor allem im süddeutschen Raum als Missionarin gewirkt hat. Dies war vermutlich der Anlass die bestehende kleine Kirche abzureißen und einen größeren einschiffigen Neubau zu errichten. Aus dieser Zeit sind Bemalungen in den wieder geöffneten Laibungen alter Fenster erhalten, die auf der linken Seite der Kirche zu sehen sind. 1197 kommen Zisterziensernonnen nach Walberberg, es entstehen Klostergebäude und die Kirche wird nach allen Seiten vergrößert, um 1220 werden auch die beiden Seitenschiffe angebaut. Im 15. Jahrhundert folgen auf die Nonnen Zisterziensermönche. Im 16. Jhdt. übernehmen die Jesuiten die Pfarre. Der ursprüngliche, für Zisterzienserkirchen typische kleine Dachreiter wird durch einen mächtigen Turm aus Eichenbalken ersetzt. In diese Zeit fällt auch eine barocke Ausstattung. Am Ende des 2. Weltkrieges trifft eine Brandbombe den Kirchturm. Der stürzt brennend auf die Kirche, die samt ihrer barocken Ausstattung und einer wertvollen Orgel völlig ausbrennt. Schon bald erfolgt der Wiederaufbau. 1962 erhält die Kirche einen neuen, neben der Kirche stehenden Turm. 1981 – 1988 wird eine umfassende Renovierung erforderlich, um die Standfestigkeit zu sichern und Baumängel des Wiederaufbaus nach dem Krieg zu beseitigen. Dabei erhält die Kirche ihre heutige Gestalt. Als romanische, tonnengewölbte Basilika hat man damit versucht den Zustand des 13. Jahrhunderts wiederherzustellen.Vom Dunkel ins Licht Gehen Sie zuerst einmal ins Dunkel unter der Orgelbühne um einen Eindruck vom Kirchenraum zu erhalten. Vom romanischen Taufbecken geht der Blick automatisch nach vorne, nach Osten, von wo das Licht kommt. Drei (steht für Dreifaltigkeit und alles Göttliche) Schiffe hat die Kirche, drei Altäre und drei Stufen steigen hinauf zum Chor der nach Osten ausgerichteten Kirche). Dort im Mittelpunkt steht auch der moderne Altar aus Dolomit, Mittelpunkt der Gottesdienstgemeinde. Der Chor wird beherrscht von einem modernen Kreuz von Hein Gernot mit einem alten gotischen Korpus. Dieses Kreuz des Opfertodes Christi steht in einem vierteiligen blauen Fuß (4 Paradiesflüsse) und die an seinem dürren Holz sprießenden grüne (Auferstehungserwartung) Blätter und Knospen zeigen uns das Leben, das aus dem Kreuz kommt.Heilige Frauen und MännerAuch Menschen können Licht in unser Leben bringen. Die katholische Kirche bietet dem Menschen eine Vielzahl von Personen, die ihr Leben nach dem Beispiel Christi ausgerichtet haben, als Vorbilder dar: Die Heiligen. Auch die Geschichte unserer Pfarrkirche und des Ortes sind besonders verbunden mit diesen Weg weisenden Gestalten. An erster Stelle erwähnt sei die Pfarrpatronin, die Hl. Walburga. Statuen und Abbildungen dieser Heiligen begegnen uns in und um die Kirche an verschiedenen Stellen. An mehreren Tagen im Jahr gedenkt die Gemeinde ihrer Patronin mit Gottesdiensten. Die Hl. Walburga beeindruckt durch ihre Hingabe für die Menschen, die tätige Nächstenliebe, durch ihr schlichtes „Da sein“ und ihre Gottesliebe. Eine besonders schöne Darstellung der kontemplativen Nonne Walburga, kann man auf der rechten Seite des Altarraums sehen. Das Gemälde wurde 1977 vom Walberberger Maler Johann Kolvenbach nach einer älteren Vorlage geschaffen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist in einem spätbarocken Bild der Hl. Jodokus, der zweite Pfarrpatron, zu sehen. Er ist als Pilger mit Hut und Muschel vor der Kulisse des Siebengebirges mit Rheinschiffen und einer alten Ansicht Walberbergs dargestellt. Jodokus, ein bretonischer Eremit, hat die Einsamkeit gesucht, um zu sich selbst und zum Wesentlichen im Leben zu finden. Die dritte wichtige Person, eine Selige des Zisterzienserordens, ist Margarete, die von 1197 –1224 erste Äbtissin des Walberberger Zisterzienserinnenklosters war. Von ihr sehen wir im rechten Seitenschiff die Grabplatte sowie darüber eine kleine Figur.

 

Heiltumskammer:

Über eine Treppe auf der rechten Seite des Altarraumes erreicht man im Obergeschoss des Seitenschiffes eine bereits im Mittelalter als Wächterraum entstandene kleine Kapelle, die seit 2009 als „Heiltumskammer“ hergerichtet ist und wo der Kirchenschatz, insbesondere aber die Reliquien der Hl. Walburga aufbewahrt werden. Als begehbares „Reliquiar“ birgt dieser kleine Raum (be-)greifbare Andenken an das Heilswirken heiliger Menschen, das bis in unsere Zeit hereinreicht, wenn sich der Mensch der Gegenwart davon berühren lässt. Zu sehen sind u.a. eine barocke Strahlenmonstranz mit einem Teil der Hirnschale der Hl. Walburga, ihr sog. „Wanderstab“ und eine silberne Walburga-Büste.